Die Reise nach Alaska von Bora Ćosić

Donnerstag, 26. November 2009 20:00 Uhr

Gefördert durch das Förderprogramm der Sparkasse KölnBonn und vom Kulturamt der Stadt Köln:

Die Reise nach Alaska
Zerstörung und Tristesse, aber auch Schönheit im
auseinandergefallenen Jugoslawien nach dem Krieg

Im Gespräch mit dem Autor Bora Ćosić

Übersetzung Lidija Klasic
Dt. Texte Wieslawa Wesolowska, Axel Gottschick

Im Frühsommer 2005, zehn Jahre nach Dayton, bricht der serbische Schriftsteller Bora Ćosić zu einer Reise durch das frühere Jugoslawien auf. Er hat das Land Anfang der neunziger Jahre aus Protest gegen die nationalistische Kriegspolitik der Machthaber und findet ein Gebiet neuer Widersprüche vor: Müllberge neben protzigen Villen der Neureichen neben Häuserruinen neben immer noch beeindruckender Natur.

Wer den Überblick haben möchte, muss Distanz nehmen, indem er zum Beispiel auf einen Berg steigt. Indem er nicht nur die Details einer tatsächlichen, anekdotenhaften Begebenheit schildert, sondern auch aus der Vogelperspektive uns einen Blick auf die Spezies Mensch werfen lässt oder eine Landschaft oder eine Kultur.

Ćosić schafft das: die Absurdität einer Grenzkontrolle in Istrien mit der Bedeutung der Astrologie für die Menschheit zu verbinden und uns so zu einem neuen, fremden, eigenwilligen und sehr intelligenten Blick auf sein ehemaliges Heimatland Jugoslawien zu verhelfen.

Wir begleiten einen Philosophen auf seiner Reise. Sie haben die Möglichkeit ihn zu treffen, auf der LESEBÜHNE IM KULTURLADEN ZOLLSTOCK; ihn und seine Frau, die mit ihm gereist ist und für ihn übersetzen wird.

Die Interpreten/Innen Wieslawa Wesolowska und Axel Gottschick werden Sie mit Wort- und Denklust begleiten.

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Kulturpreis: 14 €, normal: 12 €, erm.: 8 €, Hartz IV: 6 €
Veranstaltungsort:
Kulturladen Zollstock
Irmgardstr. 14
50969 Köln
Reservierung erwünscht unter: 0221 / 25 94 017
Kontakt: kulturladen@zollstock-koeln.de

Eine Reaktion zu “Die Reise nach Alaska von Bora Ćosić”

  1. Kulturladen

    Der serbische Dichter und Schriftsteller Bora Ćosić (*1932) wuchs in Belgrad auf und arbeitete als Redakteur, Schriftsteller und Übersetzer, bis er aus politischen Gründen 1992 ins Exil nach Rovinj/Istrien ging. Seit 1995 lebt und arbeitet er auch in Berlin.

    Bora Ćosić wurde 1932 in Zagreb geboren. Ab 1937 lebte er in Belgrad, wo er nach Ende des Zweiten Weltkriegs Philosophie studierte.

    In den 1950er Jahren arbeitete er als Redakteur für verschiedene Zeitschriften und als Übersetzer aus dem Russischen, u.a. der Werke von Majakowski und Chlebnikow. Seine ersten eigenen literarischen Veröffentlichungen seit den früher sechziger Jahren waren vor allem Romane und Essays, die er als “work in progress” bezeichnet. Ćosić’ frühe surrealistische Romane, so “Haus der Diebe”, wurden bei ihrem Erscheinen von offizieller Seite als “dekadent” diskreditiert.

    Bald stand sein Name auf der “schwarzen Liste” der Autoren, von deren Publikation die staatliche Kulturbürokratie den einheimischen Verlagen abriet. Die Theaterfassung seines erfolgreichen satirischen Romans “Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution” von 1969, die auch verfilmt wurde, zog ein mehrjähriges Publikationsverbot nach sich. Trotzdem schrieb Ćosić weiterhin Romane.

    Aus Protest gegen den Kurs des serbischen Regimes verließ Ćosić 1992 Belgrad und ließ sich im istrischen Rovinj nieder. Während des Exils in Kroatien, dem offiziellen Feindesland Serbiens, entstand sein “Tagebuch eines Heimatlosen”, das gefüllt ist mit Reflexionen über Proust und den deutsch-französischen Krieg. Von da an wandte er sich verstärkt dem von literarischen Themen inspirierten essayistischen Schreiben sowie der Lyrik zu. Ein Stipendium des DAAD führte ihn 1995 nach Berlin, wo er mit seiner Frau bis heute lebt. Als serbischer Autor im Exil publiziert er von dort aus in serbischer Sprache weiterhin Romane, Reisebeschreibungen, Essays und Gedichte. Außerdem veröffentlichte er mehrere literarische Dossiers in der Zeitschrift “Lettre International”.

    Ćosić wurde 2002 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 2008 gemeinsam mit seiner Übersetzerin Katharina Wolf-Grießhaber mit dem “Albatros” der Günter-Grass-Stiftung ausgezeichnet.

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